
Auslaufende Elektrolytkondensatoren – die sogenannte Kondensatorpest – führten Ende der 1990er-Jahre zu massenhaften, vorzeitigen Ausfällen zahlreicher elektronischer Geräte. Ursache war eine wasserbedingte Korrosion innerhalb der Kondensatoren, die dazu führte, dass sich deren Kapazitätswerte im Laufe der Zeit veränderten und Fehlfunktionen auftraten. Spätestens wenn das ätzende Elektrolyt über die Leiterbahnen der Platinen floss und diese angriff, bedeutete dies in der Regel das sichere Ende des Geräts.
Auch der Weltempfänger Sony ICF-SW55 war von diesem Problem betroffen. Bei meinem Exemplar machte sich dies zunächst durch ein „furzendes“ Geräusch beim Ein- und Ausschalten bemerkbar. Später kam ein plötzliches, unkontrolliertes Hin- und Herspringen der Sender hinzu.
Der schleichende Verfall lässt sich nur durch den Austausch sämtlicher Elektrolytkondensatoren aufhalten. Im Sony ICF-SW55 sind insgesamt 23 Elkos verbaut. Bis auf drei Kondensatoren im NF-Teil, für die ich keinen passenden Ersatz finden konnte, habe ich alle durch Low-ESR-SMD-Kondensatoren ersetzt.

Um die Kondensatoren auszulöten, muss das Gerät vollständig demontiert und die Hauptplatine ausgebaut werden.

Die Platine ist über ein Folienkabel mit der Displayeinheit verbunden, das vorsichtig gelöst werden muss. Um die dünnen Verbindungsdrähte zwischen Hauptplatine und Ferritantenne zu schonen, empfiehlt es sich, letztere mit einem Kabelbinder an der Platine zu fixieren.

Für das Aus- und Einlöten der Kondensatoren ist ein Lötkolben mit feiner Spitze erforderlich, da die Leiterbahnen teilweise sehr dicht beieinanderliegen. Nach dem Einlöten sollte sorgfältig überprüft werden, dass keine ungewollten Lötbrücken entstanden sind.
Nach dem Austausch der Kondensatoren wird die Platine wieder eingebaut und das Folienkabel erneut im vorgesehenen Kabelaufnahmeschacht fixiert. Ist die Operation gelungen, arbeitet der Sony ICF-SW55 wieder zuverlässig.
